Sonntag, 25. November 2012

Das Silikon-Klischee. Oder: Wieso ist ein großer Busen „billig“?

Kennt ihr schon die neue Kampagne des Onlineshops redcoon.de? Mit dem Slogan "So viel billig gab's noch nie" wirbt er seit Kurzem für seine Elektronikauswahl.

Klitzekleine Bikinis, viel orangene Solarium- (oder Spraytan)-Haut, aufgespritze Lippen, blonde Extensions und -  NATÜRLICH - Silikonbrüste sollen dem Zuschauer vermitteln: Billiger geht’s gar nicht. Und als Hauptdarstellerinnen wurden natürlich auch nur die "billigsten" Mädchen engagiert: Gina-Lisa Lohfink, Micaela Schäfer, Jordan Carver und die Gewinnerin eines Castings auf Bild.de, haben die zweifelhafte Ehre, mit ihrem laut-prolligem Image die Markenbekanntschaft des Unternehmens zu vergrößern.  


 
Ein gefundenes Fressen für die Medien: ‚Busen-Spots‘, ‚Sex sells‘, ‚Redcoon wirbt mit der Oberweite von Gina-Lisa Lohfink‘, liest man dort.
 
Da drängt sich doch die Frage auf: Wieso kleben die Begriffe ‚Busen‘ und ‚billig‘ eigentlich untrennbar zusammen wie ein alter Tesafilm auf Wollsocken? Wieso wird ein großer Busen immer gleichgesetzt mit ordinär, freizügig, obszön?
 
Irgendwie klar, dass der Ursprung hier im Image des Silikonbusens liegt. Einen Silikonbusen, so die landläufige Meinung, haben und wollen vor allem Plastikpuppen, Pop-(und Porno)stars und Frauen, die man nachmittags in Scripted Reality-Shows auf Pro 7 sieht.
 
Und dann benutzen viele den einfachen Dreisatz:


Es ist natürlich nur allzu menschlich, bestimmte Dinge im Kopf miteinander zu verknüpfen. Schwierig wird es aber, wenn dann durch diese Assoziationswolke die einfache Gleichung ‚großer Busen = billig & freizügig‘ entsteht und so allen Frauen mit großem Busen bestimmte ‚Absichten‘ unterstellt und Eigenschaften zugeschrieben werden:
 
Und die hören wir leider nur allzu oft:
 
„Guck mal, wie die ihren Busen wieder rausstreckt.“
 

„Die lässt doch extra den obersten Knopf an der Bluse offen, damit ihr alle in den Ausschnitt spannen.“
 

„Die Dinger springen einem ja fast ins Gesicht.“
 

„Mit so großen Brüsten sollte man sich aber dezenter kleiden.“
 

„Die Männer stehen doch nur noch auf große Brüste und Tussis. Ich werde als natürliche Frau ja gar nicht mehr wahrgenommen.“
 

„Na die legt es aber drauf an, mit diesem Ausschnitt.“

 
Kommen euch diese Sätze oder Teile davon bekannt vor?
Wir haben alle davon schon einmal original so gehört!

 
Ein kleiner Busen gilt als natürlich, dezent, bescheiden, stilvoll  - ein großer dagegen als unnatürlich (kann ja nur Silikon sein), prollig, laut, aufmerksamkeitsheischend, freizügig und anbiedernd.
 
Auch Maria Exner (marisa hat sie im letzten Post über die Oberweite in der Modewelt schon zitiert) schlägt in ihrer 'Hommage an den Mini-Busen' in die gleiche Kerbe:
 
„Eine üppige Brust ist eine Art Wahrnehmungsgarantie. (…) Auf diesen Effekt können Frauen mit kleinen Brüsten nicht setzen – und werden darum klug, witzig und kreativ.“
 
Und auch die Männer, die laut Autorin auf große Brüste stehen, sind alles andere als seriöse, ehrenwerte Leute, sondern vom Typ zwielichtiger ‚Proll‘:
 
„Dass Männer Frauen mit kleinen Brüsten weniger attraktiv finden, mag ja sein. Bloß, was für ein Typ Mann ist das eigentlich, dessen Zuneigung man mit ein paar Gramm Busen mehr gewinnt? Erfolglose Schmusesänger wie Peter André (Ehemann von Busenmodel Katie Price), prügelnde Rockstars wie Tommy Lee (Exmann von Pamela Anderson) oder eben Dieter Bohlen (der angeblich jeder neuen Freundin die gleiche Brust spendiert). Wer will schon deren Interesse wecken?“
 
Sofern einen das stört: Wie kann man sich als Frau mit großer Oberweite nun diesem Vorwurf entziehen? Eigentlich nur durch „super-dezente“ Kleidung. 

Dann kostet uns die Frage „Welches Oberteil lenkt heute im Meeting nicht alle Aufmerksamkeit auf meinen Busen“ morgens wertvolle Minuten (zusätzlich zu den statistischen 17 Minuten, die angeblich jede Frau täglich mit der Auswahl Ihrer Garderobe verbringt!). Und: Bestätigt man das Klischee dadurch nicht gerade? Indem man die Oberweite als etwas sieht, was versteckt, verhüllt, etc. werden muss, damit niemand daran ‚Anstoß‘ nimmt?
 
Ich sage: Wenn Gina-Lisa & Co ihre Brüste dazu benutzen, Aufmerksamkeit zu bekommen, ist das ihre persönliche Strategie. Großbrüstigen Frauen pauschal Geltungsdrang zuzuschreiben ist genauso blöd, wie kleinbrüstigen Frauen pauschal ‚Komplexe‘ oder ‚Busenneid‘ zu unterstellen.

Amen.
:)

Viele liebe Grüße von
Ina Li

 

Donnerstag, 8. November 2012

„Du sollst keinen Busen haben!“ Kurvenphobie in der Modewelt

Dienstag vor einer Woche. Wir sind im rappelvollen Filmkasino am Odeonsplatz, der Marketing-Club München lädt zur Verleihung des ‚Münchner Marketingpreises‘ an das Label Escada.

Sekt, Currywurst (man macht auf ‚hippes Berlin‘) und Elektrosounds verkürzen die Zeit bis zur Preisverleihung und als die Reden und Lobeshymnen verklungen sind, präsentieren 10 Models die aktuelle Herbst/Winter-Kollektion auf dem weißen Laufsteg.

Cool -  aber woran erinnert mich die Catwalk-Show nur?
 

 

Es ist der Satz „Du sollst keinen Busen haben“ aus einem gleichnamigen Artikel in der Süddeutschen Zeitung, der hier wieder passt wie die Faust aufs Auge und irgendwie stilprägend für die Modebranche geworden ist. Peter Bäldle schreibt:

„Schlichtweg perfekt sind Raf Simons' bleistiftschmale Anzüge für Jil Sander, denen der Belgier mit Skalpellschnitten Taschen einritzt. (…) Nur Busen sollte man nicht haben! Denn sie würden diese klaren Linien nur stören.“

 
Warum sind denn so viele Designer-Kleider nicht dafür gemacht, ein größeres als ein A-Körbchen zu beherbergen, geschweige denn, die Kurven von Frauen zu ‚zelebrieren‘? Und wieso machen so viele Designer ‚busenfeindliche‘ Mode?

Ich erinnere mich an einen Fernsehbeitrag über die Pariser Modewoche, in dem die Designer Talbot und Runhof  in einer Szene einen schieren Nervenzusammenbruch kriegen, weil eines der gecasteten Models ‚Busen‘ hat und deshalb „nichts mehr richtig“ sitzt und „unschön wackelt“. Durchsichtige Blusen in Weiß und Schwarz und Roben aus transparenter Spitze, unter denen die Models keinen BH tragen, sind das Kernstück ihrer Kollektion. Nur wer keinen Busen hat, darf ihn hier zeigen.

Hallo, wie haben hier News für euch: Menschen wie du & ich haben nicht nur verschiedene Kleidergrößen, sondern auch Busen! Und zwar oftmals mehr als Körbchengröße C – nämlich 23% der deutschen Frauen, laut Statistik.

 „Kleine Brüste machen alles mit, große wirken unmodern“, schreibt Maria Exner in ihrer ‘Hommage an den Mini-Busen’ in der 'Welt'. Und: „Die physische Präsenz eines großen Busens würde jedes Statement aus Schnitt und Stoff übertönen“.

Ist das nicht schade? Sollte, wenn überhaupt, ein Kleidungsstück nicht eher zusammen MIT der oder FÜR die Präsenz des weiblichen Körpers zu einem Statement werden?

Und weiter: „Nur eine Frau mit kleinem Busen (…) kann ihren Körper zur Leinwand einer ironischen Mode machen, wo vordringliche Brüste jede Feinsinnigkeit unmöglich machten.“

Der weibliche Körper als Leinwand? Kein Wunder, dass Frauen das Gefühl haben, ihr Körper wäre nicht ‚an sich‘/‘für sich‘ schön, sondern müsse in irgendeine vorgegebene ‚Form‘ gebracht werden. Schade, dass Frauen so auf das Niveau von Kleiderbügeln reduziert werden und kein Wunder, dass sich so viele von ihnen unzufrieden in ihrem Körper fühlen.  

Hier im maximila Blog sagen wir: Mode soll sich dem weiblichen Körper anpassen und nicht umgekehrt! Das ist unser Beitrag zu einem selbstbewussten, weniger defizit-orientierten Frauenbild.

*haut auf den Tisch* ;-)
 Marisa