Donnerstag, 24. November 2011

Die Kette. Oder: Dämliche Stylingtipps Teil I

Wenn Redakteurinnen, die vermutlich selbst eine durchschnittliche 75B tragen, wohlgemeinte
Ratschläge verfassen oder der Meinung sind, dass nur dicke Frauen auch dicke Brüste haben, dann geht das meistens schief. Oder wie sonst lässt es sich erklären, dass in einschlägigen Fashion- und Lifestyle-Magazinen immer wieder der gute Tipp auftaucht, eine große Oberweite lasse sich mit einer langen Kette 'kaschieren'? Die ‚Amica‘-Styleredakteurin rät Frauen mit viel Busen zu „langen Y-Ketten, um das Dekolleté zu betonen“, ‚Jolie‘ empfiehlt „lange Ketten, die optisch strecken“ (egal, worum es geht - das Wort ‚strecken‘ ist einfach immer ein Erfolgsgarant!).

Hat da draußen schon mal jemand mit großer Oberweite eine lange Kette getragen? Eigentlich ist es ja gar nicht so schwer, sich den Effekt vorzustellen, aber ich will den Redakteurinnen gerne auf die Sprünge helfen:

Also, die Kette liegt am Dekolleté hervorragend auf, teilt die große Fläche optisch vorbildlich, und lenkt damit von der großen Oberweite ab. Allerdings nur bis zur Mitte des Busens. Dann nämlich schmiegt sich die Kette erstaunlicherweise nicht dem Körper entlang zurück bis zum schlanken Bauch, sondern sie hängt von der stärksten Stelle der Brust an herab. Und dokumentiert damit eindrucksvoll, um wieviele cm sich Taillen- und Brustumfang unterscheiden! Vielleicht hilft der Vorstellungskraft ein Blick auf die kurvige Kim Kardashian (Mitte) - und der Vergleich mit der etwas schmalbrüstigeren Vanessa Hudgens (links) oder Halle Berry (rechts):


Aber nicht nur das. Der hängende Teil der Kette entwickelt bei der kleinsten Bewegung nämlich ein sehr dynamisches Eigenleben. Er pendelt, schlägt klirrend oder scheppernd gegen den Bauch seiner Trägerin … und das nervt!

Liebe Redakteurinnen, tut uns den Gefallen und schmeißt euer Weltbild über den Haufen. Und schreibt nicht einfach ab, was ihr bei anderen lest – sondern testet bitte eure Ratschläge! Frauen mit großen Brüsten sollten meiner Meinung nach Ketten tragen, die maximal bis zur Mitte der Brust gehen. Gerne groß und auffällig, damit sie sich nicht im Dekolleté verlieren (eine zarte Perle an einem silbernen Kettchen zwischen zwei großen Brüsten, das geht schief, kann ich Euch sagen! Sie verschwindet einfach im Dekolleté!). Hängt die langen Ketten bitte gerne den Frauen mit knabenhaften Figuren um, die ihr in euren Magazinen ja ohnehin hauptsächlich abbildet - für uns Kurvenfrauen hat es sich ausgependelt! :-)

Kennt ihr auch wohlgemeinte ‚Stylingtipps‘, die sich – für eure Figur -
als vollkommen schwachsinnig oder impraktikabel herausgestellt haben?
Freue mich auf eure Meinungen!

Ina Li





Fotos:
www.sweetfuzz.com
www.funkyjewelry.org
www.eonline.com


Donnerstag, 17. November 2011

In der Pubertät explodierte mein Körper

Heute mag ich meine Rundungen, aber bis dahin war es ein langer Weg...

Als Mädchen gehörte ich immer zu den Mädchen, die eher burschikos waren. Ich ketterte z.B. gern auf Bäumen herum und verbrachte viel Zeit draußen mit meinen Freundinnen beim Skateboard fahren und Inlinern.


Doch plötzlich explodierte mein Körper - ich war in der Pubertät. Mit meinem Busen, der meines Erachtens überhaupt nicht zu mir passte, kam ich nur schwer klar. Ich erinnere mich noch, wie ich mit meiner Mutter das erste Mal einen BH kaufen ging. Die BH Nummern wuchsen von BH zu BH und ich war schlicht schockiert, als ich bei 75 E angelangt war (inzwischen trage ich 75 FF). Lange Zeit versuchte ich, meinen Busen zu kaschieren.

Das liebste Kleidungsstück war ein viel zu großer Pullover meines Vaters. Enge Kleidungsstücke vermied ich wie die Pest. Denn mit den Reaktionen der Jungs kam ich nicht klar, das Starren, die Kommentare. Ich schämte mich dafür, als ob ich etwas falsch gemacht hätte. Ich war so geschickt, das Weibliche an mir zu negieren, dass mich Jahre später ein Schulkamerad ansprach und zu mir meinte: Ich dachte Du bist lesbisch.

Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht? Seid Ihr damals mit der Veränderung eures Körpers klar gekommen?

Foto:
cyberspoon, "Katze unterm Arm", Quelle: www.piqs.de


Sonntag, 13. November 2011

Teenies. Oder: Halbstarke (Busen-)Sprücheklopfer

Der Volksmund sagt: Kinder und Betrunkene sagen die Wahrheit.

Ina Li sagt euch: Betrunkene fast-nicht-mehr-Kinder sagen sogar noch viel unverhohlener und dreister die Wahrheit!

Aber von Anfang…

Schon als Jugendliche war ich mir durchaus der Tatsache bewusst, dass mein Busen eher groß als klein ist. Aber der Körper veränderte sich in diesem Alter noch so schnell, dass ich mich selbst überhaupt nicht einordnen konnte. Zumal damals Bustiers ganz groß in Mode waren, und in die ließen sich kleine wie große Brüste reinquetschen. In Körbchengröße-Kategorien dachte ich also noch lange nicht.

Das änderte sich an dem Tag, als mir mein erster Freund kichernd erzählte, was ihn ein Klassenkamerad gefragt hatte. „Isch dei Freindin die mit de große Schläuch“? Und jetzt nochmal für Nicht-Schwaben: „Ist deine Freundin die mit den großen Schläuchen?“

Klingt auf Hochdeutsch auch nicht besser. Große Schläuche!!! Kann man sich eine schlimmere Beschreibung für einen unschuldigen Teenager-Busen vorstellen? Der Klassenkamerad hieß mit Nachnamen übrigens Stumm – zu schade, dass sein Name nicht Programm war...

Tja, seit diesem Tag weiß ich es jedenfalls: Meine Oberweite ist was Besonderes. Und ich kann total verstehen, dass das die halbstarken Sprücheklopfer schon damals fasziniert hat. Aber die ‚Schläuche‘, die verbitt ich mir - damals wie heute! :)

Freitag, 4. November 2011

Kalte Güsse. Oder: Halbwissen im TV

Dienstagmittag, kurz nach 14:00, im Süden Deutschlands ist heute Feiertag und alles ist ruhig. Um die 15 min Wartezeit auf meine Feiertags-Fertigpizza zu überbrücken, schalte ich den Fernseher an und lande ‚Mitten im Leben‘ auf RTL, einer „Doku-Soap“ (mehr dazu später…).

Die 32-jährige Anja, Hausfrau und Mutter aus Flensburg, „wünscht sich einen neuen Mann und Ersatzpapa für ihre Kinder“. Fühlt sich aber schrecklich unattraktiv, weil, ja weil: sie soooo einen „enormen Brustumfang“ hat. Den hat sie wirklich, und noch größer wirkt ihr Busen leider, weil sie den völlig falschen BH trägt, nämlich Größe „XL“ statt 80HH, wie wir später erfahren. Gefundenes Fressen für RTL: Die Kamera filmt genüsslich, wie ihr Busen unter Wasser bei der Aquagymnastik auf und ab wippt. Zelebriert, wie sie ihren schlecht sitzenden BH anzieht und es an allen Seiten rausquillt. Und sie besucht einen Home Shopping Sender, wo sie einen formenden Body aufgeschwatzt bekommt, sodass sie „keinen BH mehr tragen muss“ (Ihr könnt Euch vorstellen, dass der Body einen BH niemals ersetzen kann, alles hängt weiterhin, aber die vermutlich zu RTL gehörende Formwäsche-Marke wurde wenigstens schamlos und gewinnbringend platziert – Das ist es wohl, was zählt).

Anja will jedenfalls eine Brustverkleinerung. Vorher aber braucht sie Fotos für eine Online-Singlebörse, und dazu lässt sie sich bei der Kosmetikerin hübsch machen. Sie fragt die Kosmetikerin (Warum jetzt genau die Kosmetikerin? Das erfährt man nicht.), was man denn so machen könne, um „die große Oberweite, äääh, eben, dass es nicht so auffällt“.

Und jetzt haltet Euch fest, die Kosmetikerin empfiehlt: „kalte Güsse über den Busen, das strafft alles ein bisschen“. Aaaaaaah, da wird einem doch schlecht. Da wird hunderttausenden Zuschauern empfohlen, statt einen richtigen BH zu kaufen, lieber ein paar kalte Güsse über den Busen laufen zu lassen!

Ja, ja, ich weiß, ‚Mitten im Leben‘ ist Scripted Reality, also eine Pseudo-Doku-Soap, in der Laienschauspieler frei erfundene Handlungen spielen und frei erfundene Sätze sagen. Aber muss man so einer Kosmetik-Laienschauspielerin denn dann so einen Blödsinn ins Drehbuch schreiben?

PS: Ende gut, alles gut. Anjas Date aus der Online-Singlebörse, der 39- jährige Frührentner Gernot, hat glücklicherweise kein Problem mit ihrer Oberweite. Ob die Krankenkasse ein Problem mit der Brust-OP hat, steht "bis Drehschluss noch nicht fest." Aber das ist jetzt auch irgendwie egal, Hauptsache, Anja ist nicht mehr allein. Klischee erfüllt, denn für die gemeine Frau ist es doch das allerwichtigste, einen Mann an ihrer Seite zu haben, oder?

Und bei mir ist auch alles gut: Die Pizza ist fertig, den Fernseher kann ich wieder ausschalten. Und morgen früh mach ich in Gedenken an Anja mal ein paar kalte Güsse über den Busen, harhar.

Liebe Grüße
eure Mocca